Bevor man sich entscheidet Frettchen zu halten, sollte man sich eingehend über diese doch recht ungewöhnlichen Haustiere informieren. In diesem Kapitel wollen wir einige Fragen klären und mit manchen "Missverständnissen" und Vorurteilen aufräumen.
 


Darf ich Frettchen in einer Mietswohnung halten, oder kann mein Vermieter die Haltung verbieten?

Generell gelten Frettchen als Klein-, bzw. Käfigtiere.
Diese Art von Haustieren kann von Vermietern nicht verboten werden, gleich was laut Mietvertrag vereinbart wurde. Einzig wenn Nachbarn vom Lärm oder Geruch der Tiere belästigt werden, besteht für den Vermieter die Möglichkeit die Haltung zu untersagen.
Da es inzwischen trotzdem verschiedene Gerichtsurteile gibt, sollte jeder Mieter, welcher sich Frettchen anschaffen möchte, dieses vorher mit seinem Vermieter klären, damit es nicht zu Streitigkeiten kommt.
 

Kann ich auch ein einzelnes Frettchen halten, oder müssen die Tiere immer zu mehreren gehalten werden?

Frettchen sind äußerst soziale Tiere. Sie sollten immer mindestens zu zweit gehalten werden. Ein Mensch, gleich wie viel Zeit dieser für das Tier hat, kann niemals einen Partner ersetzen. Die Haltung eines einzelnen Tieres ist fast schon mit Tierquälerei gleichzusetzten. Einzige Ausnahme von dieser Regel sind Frettchen, welche durch extrem lange Einzelhaltung oder sehr schlechten Erfahrungen mit anderen Frettchen unsozial geworden und somit unverträglich gegenüber Artgenossen sind.

 

Werden Welpen zahmer und binden sich stärker an ihren Halter, als ein bereits erwachsenes Frettchen?

Hierzu lässt sich ganz klar schreiben: Nein!
Erwachsene Frettchen bauen eine genauso enge Beziehung zu ihrem Halter auf, wie es ein Welpe tun würde.
Als "frettchenunerfahrener" Mensch sollte man sich nach Möglichkeit keine Welpen anschaffen. Die Aufzucht und "Erziehung" (auch Welpen haben eine Art Pubertät, in dessen Verlauf sie ihre Grenzen austesten) dieser Tiere ist äußerst schwierig und erfordert einiges an Erfahrung und Wissen. Erwachsene Frettchen hingegen sind meistens schon menschengewöhnt und bereits stubenrein. Außerdem haben solche Tiere auch die wichtigsten medizinischen Abläufe (wie Kastration, Impfungen u.ä.) in der Regel hinter sich.
 

Woher bekomme ich Frettchen?

Hat man sich entschieden, sein Leben mit Frettchen zu teilen, sollte man sich mit einer Frettchenhilfe oder einer ähnlichen Organisation in Verbindung setzten. Diese können nicht nur die "passenden" Frettchen vermitteln, sondern auch mit einer Fülle von Informationen dienen. Sie können genaue Auskünfte über Ernährung, Haltung und Pflege geben und stehen vor, während und nach der Vermittlung bei jeder Frage mit Rat und Tat zur Seite.

Auch in Tierheimen warten ab und an Frettchen auf ein neues, schönes Zuhause. Auf gar keinen Fall sollte man Frettchen in Zooläden, bei "Hinterhofzüchtern", oder gar per Internet-Onlineversand kaufen. Bei diesen Verkäufern zählt einzig der Profit und wenn dort scheinbar Nachfrage herrscht, wird im nächsten Jahr noch mehr Welpennachwuchs produziert. Leider wird hierbei mehr auf den Gewinn geachtet, als auf die Gesundheit der Frettchen. Oft werden Frettchen einzig und allein aufgrund ihrer Farbe gezüchtet. Dass es dabei teilweise (je nach Farbe) bereits bekannte Erbschäden gibt, kümmert die Züchter wenig. So ist es nicht verwunderlich, dass es immer mehr Frettchen gibt, welche bereits mit Defekten wie Taubheit, Hodenhochstand oder ähnlichen geboren werden oder in Laufe ihres Lebens an Erkrankungen wie Tumoren, Herzinsuffizienz oder Leukose erkranken. Auch ist in den letzten 20 Jahren die Lebenserwartung der Frettchen deutlich gesunken. Waren es vor einigen Jahrzehnten noch etwa 10 bis 12 Jahre, sterben viele Frettchen heute bereits im Alter von 6 bis 8 Jahren.
 

Was passt besser zu mir, Rüden oder Fähen?

Hierzu sollte man zwei Dinge wissen: Erstens sind Rüden im Allgemeinen etwas ruhiger als Fähen, welche meist mehr spielen und klettern. Dieses hängt vielleicht mit dem zweiten Punkt zusammen, dass Fähen kleiner sind als Rüden. Während Rüden ein Gewicht von ca. 1000 - 2000 Gramm haben, kommen Fähen auf ein Durchschnittsgewicht von ca. 600 - 1000 Gramm. Ob man nun Rüden oder Fähen vorzieht, ist letztendlich oft nur eine Frage des persönlichen Geschmacks. Vom Wesen her sind beide Geschlechter gleich lieb und vertragen sich auch untereinander hervorragend. Man kann die Geschlechter, natürlich nur sofern kastriert, frei untereinander mischen. Wichtig ist lediglich gegenseitige Sympathie, sowohl unter den Frettchen selbst, als auch zwischen Tier und Halter.
 

Wie viel Platz benötigen Frettchen?

Generell gilt: Je mehr, umso besser!
Man kann sagen, bei einer Käfighaltung sollte man dem ersten Frettchen etwa 2 qm Grundfläche zur Verfügung stellen, für jedes weitere Tier mindestens einen weiteren qm.

Eine weitere Haltungsform ist die, den Frettchen ein eigenes Zimmer herzurichten. Auch dieses sollte ausreichend dimensioniert sein.
Man kann Frettchen auch in "freier Wohnungshaltung" belassen, allerdings bietet sich dieses nur an, wenn die gesamte Wohnung "frettchensicher" gestaltet ist.
Auch eine Außenhaltung ist möglich, allerdings sollte das Gehege nicht in der prallen Sonne stehen, da ansonsten eine Überhitzung der Frettchen im Sommer erfolgen könnte. Außerdem muss ein solches Gehege besonders gesichert werden, da Frettchen sowohl buddeln, als auch klettern können. Bei dieser Form der Haltung sollte das Gehege für zwei Frettchen eine Mindestgröße von 6 qm haben!
 

Wie viel Zeit benötigt man für die Versorgung von Frettchen?

Auch hier gilt der Leitsatz: Je länger, desto besser! Je geringer das Platzangebot für die Tiere ist, umso länger muss der Auslauf sein.
Generell kann man sagen, sollte sich ein Halter mindestens 3 - 4 Stunden täglich mit seinen Tieren beschäftigen, was aber bei einer reinen Käfighaltung zum Beispiel nicht ausreichend wäre. Hier sollte der Auslauf auf mindestens 4 - 5 Stunden ausgeweitet werden.
Während des Auslaufs sollten die Tiere sich möglichst frei innerhalb der Wohnung bewegen dürfen, um ihrem Bewegungsdrang nachkommen zu können. Allerdings niemals unbeaufsichtigt!
 

Welche Kosten verursachen Frettchen?

Zu den Anschaffungskosten (Preis für die Frettchen, Käfig, Ausstattung, usw.), welche ganz individuell seien können und sich meist nach der bereits erfolgten medizinischen Versorgung richten, fallen natürlich auch laufende Kosten an. Neben den normalen Kosten, wie zum Beispiel Futter und Katzenstreu, sollte man auf jeden Fall auch die notwendigen Tierarztbesuche einplanen. Generell kann man mit einem monatlichen Betrag (welcher ganz unabhängig vom Alter oder dem Geschlecht ist) von ca. 20 - 45 Euro pro Tier rechnen. Dieser erhöht sich jedoch individuell (Tierarztkosten) und ist somit abhängig vom Gesundheitszustand der Frettchen.
 

Sind oder werden Frettchen stubenrein?

Jain!
Frettchen sind reinliche Tiere, die gerne die angebotenen Katzentoiletten benutzen. Allerdings werden Frettchen niemals zu 100 % stubenrein. Es kann durchaus mal passieren, dass ein Frettchen die Zimmerecke für sein "Geschäft" benutzt. Oftmals bemerken die Frettchen im Spiel einfach zu spät, dass sie "müssen" und finden auf die Schnelle keine Toilette.
Aber man sollte fairerweise auch erwähnen, dass nicht alle Frettchen stubenrein werden.


Es gibt durchaus Frettchen, welche trotz reichlich vorhandener Toiletten diese ignorieren. Es benötigt manchmal viel Geduld und am besten eine mit Fliesen, Parkett oder Laminat ausgelegte Wohnung.
 

Stinken Frettchen?

Eine Frage, an welcher sich die Geister scheiden und wahrscheinlich eines der größten Vorurteile gegenüber Frettchen.
Frettchen haben einen natürlichen "Wildgeruch". Menschen mit empfindlichem Geruchssinn können diesen Eigengeruch der Tiere durchaus als unangenehm empfinden.

Allerdings sind die meisten Menschen, welche zum ersten Mal Frettchen sehen bzw. riechen, oftmals erstaunt über die geringe Intensität des Geruchs. Tatsächlich wird der Eigengeruch von Frettchen oft mit dem etwas herben, süßlichen Geruch von Bienenwachs verglichen. Dieses gilt aber nur für bereits kastrierte Tiere. Unkastrierte Frettchen, vor allem Rüden, können während der Ranzzeit extrem unangenehm riechen. Dieser Geruch lässt aber ca. 2 - 3 Wochen nach einer Kastration direkt nach.
Ob man nun den Geruch von Frettchen mag oder nicht, sollte im Vorfeld einer Anschaffung geklärt werden, in dem sich der Interessent Frettchen "live" anschaut.
 

Beißen Frettchen?

Da Frettchen zur Gattung der Raubtiere gehören, haben sie ein ausgeprägtes Gebiss, ähnlich dem einer Katze. Der Biss eines Frettchens kann sehr schmerzhaft sein. Jedoch neigen diese Tiere nicht zu einem aggressiven Verhalten, so dass ein ernsthaftes Beißen meist ausbleibt. Üblich ist es jedoch für Frettchen, im Spiel (egal ob mit Artgenossen oder seinem Halter) zu kneifen. Dieses Kneifen ist zwar harmlos, wird von unerfahrenen Menschen jedoch schnell als Bissversuch falsch gewertet.

Besonders bevorzugte "Angriffsziele" der Frettchen für Spielaufforderungen an ihren Halter sind Füße und Hände.
 

Kann man Frettchen erziehen?

Generell kann man diese Frage wohl mit einem Nein beantworten. Ein Frettchen ordnet sich dem Menschen nicht so unter, wie es zum Beispiel ein Hund tun würde. Es befolgt keine Befehle und erlernt auch keine Kunststücke. Es sei denn..., das Frettchen will es selbst so.

Was auch immer ein Halter von seinen Frettchen erwartet, er benötigt viel Geduld, Lob und natürlich Leckerlies. Wenn ein Tier für richtige Sachen gelobt wird und/oder ein Leckerlie erhält, wird es sich diesen Umstand sehr schnell merken und sie gerne freiwillig in dieser Form ausführen. Bestrafungen aufgrund ungewolltem Verhalten der Frettchen sollten nur in extrem vorsichtiger Form erfolgen.
Frettchen sind sehr intelligente Wesen. Sie haben oft die Angewohnheit eher ihren Halter zu "erziehen", als sich selbst irgendwelchen Zwängen zu unterwerfen.


 

Wie bereits eingangs geschrieben, wurden hier natürlich nur einige Fragen aufgegriffen und beantwortet. Um sich ein gutes Bild vom Verhalten und Wesen von Frettchen zu machen, sollte man sich die Tiere immer erst einmal "live" anschauen, bevor man sich die munteren Kobolde ins Haus holt.